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AUSLANDSPRAKTIKANTIN IN BINSFÖRTH AUF BIOHOF HENKEL

AUSLANDSPRAKTIKATIN IN BINSFÖRTH AUF BIOHOF HENKEL

 

ihr lieben. malika ist knapp 6000 kilometer weit weg von zu hause. heimweh hat sie noch nicht. aber sie ist auch gut abgelenkt. bei dem biobauernehepaar in binsförth macht sie für ein halbes jahr ein landwirtschaftliches praktikum. aber lest doch mehr hier. wie immer text/foto copyright christina grenzebach

 

Für ein halbes Jahr mitten unter Hühnern

Malika Maniiazova aus Zentralasien macht landwirtschaftliches Praktikum in Binsförth

Von Christina Grenzebach

 

Binsförth – Die 22-jährige Malika Maniiazova macht gerade für sechs Monate ein landwirtschaftliches Praktikum auf dem Rittergut in Binsförth bei dem regionalen Biobauernehepaar Heidrun und Gerhard Henkel, deren Betrieb zum Anbauverband Naturland gehört. Knapp 6000 Kilometer liegen hinter der jungen, zierlichen Frau, die ursprünglich aus Kyrgyzstan (Zentralasien) stammt und seit zwei Jahren in Kostroma (Russland) eine Kombination aus Tierarztwissen und Zootechnik studiert, wie sie erklärt. Über den gemeinnützigen Verein für Landwirtschaft und Ökologisches Gleichgewicht mit Osteuropa (LOGO e.V.) ist sie auf den Hof der Familie Henkel gelandet. Das Praktikum macht sie freiwillig. Maniiazova will Erfahrungen und Einblicke in den Hühnerbetrieb erhaschen und auch ein neues Land kennenlernen. Über 24 weitere Studenten sind dem Programm von LOGO e. V. gefolgt und sind nun auf Höfen wie Betrieben in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Bayern und Nordrhein-Westfalen verteilt. Maniiazova ist die einzige Praktikantin in Hessen. Fachseminare wie im CVJM-Freizeitheim Hof Largesberg stehen demnächst für alle Studenten an. In verschiedenen Workshops werden Themen behandelt wie zum Beispiel Grundlagen und Strukturen des ökologischen Landbaus. Darüber hinaus steht auch eine Busfahrt zu den Öko-Feldtagen in Frankenhausen an.

 

Maniiazova fühlt sich landschaftlich gerade wie im Paradies. „Die Pflanzen sind hier anders Grün, wie bei uns. Hier ist alles so frisch“, erzählt die Frau, die in der Hauptstadt von Kyrgyzstan Bischkek geboren ist. Auch der herrliche Weitblick von den beiden mobilen Hühnerställen in Binsförth aus, fasziniert die junge Studentin, deren Eltern in Korea auf Straußen-Farmen arbeiten, um für die Familie Geld zu verdienen. Daher ist Maniiazova als Einzelkind bei ihren Tanten in Kara-Balta groß geworden. Seid Ende Mai unterstützt Maniiazova die Henkels bei ihrer Arbeit mit zwei Hühner-Mobilställen, die jeweils über 1500 Hühner beherbergen. Heidrun Henkel ist es sehr wichtig, dass Maniiazova hier nicht von morgens bis abends schwer schuftet. Viel wichtiger ist der Biobäuerin, dass sie ihr Wissen, die Arbeitsschritte und Abläufe im Betrieb an die junge Auslandsstudentin weitergeben möchte. „Ich will den Bogen spannen von der Junghenne bis zur Präsentation des Endprodukts (Ei) im Laden“, erklärt Henkel ihr Vorgehen. So bekommt Maniiazova Einblicke wie wichtig es  ist in Deutschland alles zu dokumentieren (Tierkontrolle/Dokumentation) zum Beispiel wie viele Eier werden gelegt? und wie viel fressen und trinken die Hühner (Futterkontrolle). Aber auch das Einsammeln der Eier, das Sortieren, das Verpacken in der eigenen Packstation bis hin zum Ausliefern an regionale und überregionale Kunden (Rewe-/Edeka-Märkte/Ratio) wie das Präsentieren der Ware im Laden gehören nun zur neuen Aufgabe der jungen Helferin, der die Arbeit mit den Tieren unheimlich viel Freude macht. Bis Ende Oktober bleit Maniiazova in Binsförth. Dann will sie nach dem vierten Semester ihren Bachelor absolvieren und es zieht sie dann bestimmt wieder nach Deutschland, so ihre Zukunftsvision. „Vielleicht wieder zu einem Hühnerhof mit Freilandhaltung, das wäre klasse“, schwärmt die Studentin. (ycg)

 

 

Hintergrund

Hinter Logo e.V. steckt der gemeinnützige Verein für Landwirtschaft und Ökologisches Gleichgewicht mit Osteuropa, der 1995 gegründet wurde und seinen Sitz in Linien (Nordrhein-Westfalen) hat. Der Verein zählt 260 Mitglieder, von denen die meisten ökologisch, wirtschaftliche Landwirte sind. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht den ökologischen Landbau nachhaltig weiter zu entwickeln, ein Bewusstsein und Sensibilisierung für Umwelt- und Entwicklungsfragen zu schaffen sowie neue Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Besonders für die berufliche Bildung der landwirtschaftlichen Nachwuchskräfte aus Osteuropa, Kaukasus und Zentralasien ist Logo e.V. engagiert. Hierzu werden Praktika und Seminare angeboten. Darüberhinaus kooperiert Logo e.V. mit Hochschulen wie zum Beispiel aus Osteuropa, ehemalige Praktikanten werden beim Studium wie bei dem Berufseinstieg unterstützt, Fachliteratur zum ökologischen Landbau und erneuerbaren Energien wird übersetzt sowie Projekte zur nachhaltigen Entwicklung im In- und Ausland werden organisiert. Logo e. V. ist unter anderen Mitglied folgender Organisationen wie zum Beispiel bei Bioland, Naturland, Demeter oder AgrarBündnis. www.logoev.de  (ycg)

 

 

 

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